Forschung

Theoretischer Hintergrund, Ziele und Fragestellungen

Dank technisch ausgereifter und intuitiv bedienbarer Apps sowie der flächendeckenden Verfügbarkeit digitaler Endgeräte sind mittlerweile mobile ortsbezogene Lernangebote leicht umsetzbar. Was vielfach noch fehlt, sind allerdings theoriebasierte und praxiserprobte didaktische Konzepte.

So stellen Ansätze für eine digital unterstützte Exkursionsdidaktik aus unserer Sicht ein Desiderat dar. Evidenzbasiert entwickelte Lernumgebungen inklusive der zugrundeliegenden didaktischen Konzepte, die in der Schnittmenge von BNE, digitaler Bildung (insbesondere Mobile Learning, Lude 2013) und Exkursionsdidaktik (u.a. Ohl/Neeb 2012) entstehen, haben hohes Innovationspotenzial für den Schulunterricht. Das Projekt ExpeditioN Stadt ist an dieser Schnittstelle angesiedelt und zielt insofern auch auf Ergebnisse mit unmittelbarer Praxisrelevanz.

Die Forschungsfragestellungen zielen darauf ab, nach welchen didaktischen Prinzipien die proto-typischen Lernumgebungen (Bounds) gestalten sein sollen, wie kognitiv aktivierend und lernwirksam diese sind und wie praxistauglich die entwickelten didaktischen Werkzeuge für Bildungsakteure zur Erstellung eigener Lernumgebungen sind.

Design-Based Research

Im Rahmen des zyklischen Forschungsprozesses wird die Gestaltung mobiler ortsbezogener Lernumgebungen unmittelbar mit der Entwicklung der didaktischen Konzepte verknüpft. In mehreren Iterationen folgen immer wieder die Phasen der Entwicklung, Erprobung und Analyse aufeinander.

Bild Design-Zyklus
Darstellung Design-Zyklus

Die ersten beiden Design-Zyklen (2018-2019) umfassten die Entwicklung der Bounds in Ludwigsburg und Heilbronn. In mehreren Projektseminaren mit Lehramtsstudent*innen wurden die Bounds pilotiert und anschließend mit Schulklassen evaluiert (problemzentrierte Interviews, teilnehmende Beobachtung).

Der dritte Zyklus (2020) erzeugte einen umfangreichen Datenkorpus (Pre-Post-Befragungen, teilnehmende Beobachtungen, Interviewpassagen während des Spiels, Ergebnisse des Spiels in Actionbound, Kleingruppeninterviews). Tiefgreifende Lernprozessanalysen lassen u.a. Rückschlüsse auf die kognitive Aktivierung, die Lernmotivation und die Lernwirksamkeit der Bounds und der darin umgesetzten Design-Prinzipien zu.

Der vierte Zyklus (2021) zielt auf die Evaluation der didaktischen Qualität der Boundgestaltung. Dazu finden sog. „In-Bound-Evaluationen“ statt, d.h. in Actionbound eingebaute kurze Befragungsitems, die Rückmeldungen zu ausgewählten Aufgabentypen und Standorten liefern.

Ergebnisse

Zyklus 1 und 2: Didaktisches Handbuch (PDF herunterladen↓)

Als zentrale Ergebnisse der ersten beiden Zyklen sind neben den prototypischen Bounds mehrere didaktische Werkzeuge entstanden. Dazu zählt u.a. eine didaktische Aufgabentypologie, die sich mit jeweils mehreren Aufgabenformaten an den drei BNE-Kompetenzbereichen „Erkennen“, „Bewerten“ und „Handeln“ (KMK & BMZ, 2016) orientiert. Die Werkzeuge wurden in Form des Didaktischen Handbuchs (Hiller et al. 2019) publiziert.

Zyklus 3: Design-Prinzipien (PDF herunterladen↓)

Die Formulierung der Design-Prinzipien ist das Ergebnis eines induktiv-deduktiven Operationalisierungsprozesses. Auf den ersten beiden Operationalisierungsstufen sind häufig anknüpfungsfähige Theoriekonzepte vorhanden, mithilfe derer Handlungsleitlinien und Umsetzungsprinzipien formuliert werden können. Auf der dritten Stufe sind es die Erprobungen der Umsetzungsphasen, die für die Formulierung der Praxistipps für die Gestaltung der Lernumgebungen ausschlaggebend sind. Die umfangreichen Tabellen (Downloadlink siehe oben) konkretisieren Design-Prinzipien zu den Bereichen Situiertes Lernen, Exkursionsdidaktik, Mobile Learning, BNE, Nachhaltige Stadtentwicklung und Aufgabengestaltung.

Zyklus 4: Lehr-Vignetten (In Bearbeitung, Downloadlink folgt)

Als Teil des Praxistransfers der Forschungsergebnisse werden in Fortbildungsveranstaltungen für Bildungsakteure Lehr-Vignetten diverser Aufgabentypen eingesetzt. In Kombination mit Actionbound-Bausteinen sollen die Vignetten die eigene Planung didaktisch gelungener Bounds unterstützen. Die kompakt angelegten Vignetten (DIN-A4-Doppelseiten) sind in die Abschnitte Gestaltung der Aufgabe in Actionbound, exemplarische Schülerlösungen, ausgewählte empirische Ergebnisse und didaktische Interpretation gegliedert. Vignetten liegen (in Kürze) zu folgenden Aufgabentypen bzw. Themenfeldern vor (Downloadlink siehe oben):

  • Rollenspiel: Raumprobleme erkunden (Bsp. Bahnhof als Mobilitätsdrehscheibe)
  • Passantenbefragung: Umgestaltung innerstädtischer Flächen (Bsp. Umnutzung Parkplatz)
  • Gestaltungsaufgabe: Planung eines neuen Stadtquartiers (Bsp. Konversion)
  • Subjektive Fotografie: Raum perspektivisch dokumentieren (Bsp. Stadtgrün vs. Verkehr)
  • Streifenkarte: Individuelle Raumwahrnehmung kartieren (Bsp. Straßenschluchten)
  • Vor-Ort-Recherche: Informationen im Museum recherchieren (Bsp. Wissenszentrum Energie)
  • Wissensquiz: Unbekannte Orte entdecken (Bsp. Urban Gardening)
  • Bildvergleich: Mediengestütze Wissensvermittlung (Bsp. Kriegszerstörung)